Mbour – Zentrum der Petite Côte
- Artikel von Julia Sow -
Mbour ist mit seinen rund 200.000 Einwohnern der größte
Ort und somit das Zentrum der Petite Côte, des südlich
von Dakar gelegenen Küstenstreifens mit seinen schönen
Sandstränden. Man erreicht die Stadt von Dakar aus über
die N1 in südlicher Richtung, durchquert dabei weite Savannenlandschaften
und kleine Dörfer. Besonders eindrucksvoll sind die für
diese Region typischen „forêts de baobab“: Wälder
von riesigen, bizarr geformten Affenbrotbäumen. In der
Trockenzeit wirken ihre kahlen Äste wie in den Himmel gestreckte
Wurzeln.
Die Avenue Demba Diop, die einzige geteerte Straße in
Mbour, führt in den Ort hinein. Doch auch die anderen (Sand-)
Straßen sind gut befahrbar. In der Regenzeit allerdings
können riesige Pfützen des öfteren das Weiterkommen
erschweren. Da hilft nur: Gas geben und durch oder umdrehen
und nach einer alternativen Strecke durchs Viertel suchen; irgendwie
kommt jeder letztendlich dahin, wo er will. Andere Hindernisse
können schon mal Ziegen, Schafe oder Hunde sein, die es
sich auf der Fahrbahn bequem gemacht haben und diese nicht gerade
übereilt verlassen. Es braucht nur kurze Zeit, bis man
bemerkt, dass die Hupe eines der wichtigsten Teile des Autos
im Senegal darstellt.
Als Transportmittel innerhalb von Mbour bieten sich übrigens
drei verschiedene Fahrzeuge an (wenn man nicht mit seinem Leihwagen
unterwegs ist):
Schnellstes Fortbewegungsmittel sind sogenannte „voitures clandos“,
innerhalb der Stadt verkehrende Taxis. Wer die Stadt in gemütlicherem
Tempo erkunden möchte, kann dies mit einer Calèche
(kleine Pferdekutsche) oder einer Charette tun. Bei der Charette
gibt es im Gegensatz zur Calèche keine Sitzbank, sondern
man nimmt auf einem Holzkarren Platz. Ein Ausflug auf diesen
traditionellen Fortbewegungsmitteln lohnt sich alle mal, besonders
wenn der Weg am Strand entlang führt.
Hierbei wird man bemerken, dass neben den alten, schachbrettmäßig
angeordneten Stadtvierteln (Tefess, 11 novembre, Thiocé-Est,
Thiocé-Ouest, Mbour-Sérer,...) immer mehr umliegendes
Land besiedelt wird. Durch Mauern eingefasste Grundstücke
und in unterschiedlichsten Stadien der Konstruktion befindliche
Häuser zeugen von einer hohen Bautätigkeit. Wie in
vielen anderen senegalesischen Städten gibt es auch in
Mbour islamisch oder christlich geprägte Viertel – zu erkennen
an den Moscheen oder Kirchen (oder auch an den Schweinen, die
durch die Straßen der katholischen Viertel laufen).
Sehenswert in Mbour ist insbesondere der Fischerhafen: hier
entfaltet sich eine bunte Szenerie aus kleinen, farbenfreudig
bemalten Fischerbooten („pirogues“), Fischerhändler/innen,
die ihre Waren auf dem Boden ausbreiten und Kunden, die neben
dem Erwerb ihres Mittagessens auch bei einem kleinen Schwatz
die neusten Nachrichten austauschen. Ein Großteil des
Fangs wird in Lastwagen verfrachtet und nach Dakar gebracht.
Leider wird man in solch einem Treiben als Tourist fast unumgänglich
von selbsternannten „Reiseleitern“ („guide“) oder Händlern,
die einem etwas zu ausdauernd ihre Waren aufdrängen möchten,
umgeben sein. Da heißt es, standhaft bleiben und freundlich,
aber entschieden ablehnen und weitergehen. Empfehlenswert ist
es sowieso, von einem einheimischen Freund begleitet zu werden...das
wirkt Wunder in bezug auf nervenschonende Stadterkundungen.
Mal abgesehen davon erfährt man noch so manches Wissenswerte,
was nicht in Reiseführern steht.
An den Fischerhafen schließt sich der Markt von Mbour
an, der von einem offenen in einen überdachten Markt übergeht.
Von Fisch und Gemüse über Haushaltswaren bis hin zu
Stoffen lässt sich alles Lebensnotwendige kaufen.
In direkter Nähe befindet sich auch das „village artisanal“,
das Künstlerviertel, in dem überwiegend Kunstgegenstände
aus Holz gefertigt werden. Hier lässt sich unter anderem
beobachten, wie aus einem groben Holzklotz mit einfachen Werkzeugen
beispielsweise eine Trommel oder eine grazile Statue hergestellt
werden.
Am meisten jedoch schätzen Urlauber den Strand in Mbour.
Das Gros der Touristen sucht Erholung an den feinen, flachen
Sandstränden der Petite Côte. Dementsprechend verfügt
Mbour über eine ausgeprägte touristische Infrastruktur:
Hotels, Ferienhäuser
und Clubs aller Preiskategorien und Standards säumen
große Teile des Strandes, insbesondere im 3 Kilometer
von Mbour gelegenen Ort Saly Portudal. Ob Pauschaltourismus
in abgeschlossenen Hotelanlagen und im Club Aldiana 15 Kilometer
südlich von Mbour oder Individualtourismus in kleinen Hotels,
in Mbour kommt jeder auf seine Kosten.
Wie allerorts bleiben auch hier negative Auswirkungen des Tourismus
nicht aus (aufdringliche Händler, extreme Unterschiede
zwischen Reich und Arm), doch hat sich Mbour seinen Charme bewahrt.
Wo in Europa würde man bei solch einem schönen Strand
so wenige Touristen sehen wie in Mbour? Der Gedanke an ein Gerangel
um Liegeplätze muß einen zum Lachen erscheinen. Hier
lassen sich noch wirklich ruhige Strandspaziergänge unternehmen
(mit Ausnahme von den großen Hotelkomplexen in Saly).
Wenn man genug hat vom Sonnenbaden, kann man reizvolle Ausflüge
in die Umgebung unternehmen. es gibt Einiges zu entdecken: